Die Anzeichen verdichten sich, dass nach etlichen Quartalen mit zurückgehenden Restrukturierungs­fällen eine Trendwende bei der Zahl von Unternehmenskrisen erreicht ist. Darauf lassen die Ergebnisse des zwölften Restrukturierungs­barometers schließen, das FINANCE in Zusammenarbeit mit Struktur Management Partner im März und April dieses Jahres durchgeführt hat.
Zugleich scheint der Abwärtstrend bei den Erwartungen hinsichtlich der Zahl neuer Restrukturie­rungsfälle umzuschlagen: Immerhin 32 Prozent der befragten Banker gehen von zunehmenden oder deutlich zunehmenden Zahlen aus.
Auf Branchen heruntergebrochen, hat der Sektor „Handel und E-Commerce“ den Bereich „Textil und Bekleidung“ von der Spitze verdrängt. Zwischen beide Sektoren haben sich in der aktuellen „Restrukturie­rungshitliste“ die Branchen „Fahrzeugbau und -zubehör“ sowie „Maschinenund Anlagenbau“ geschoben.

Unternehmen melden sehr spät akute Liquiditätsengpässe

Interessant sind in diesem Zusammenhang die Antworten auf die Frage, ob Unternehmen zurzeit sehr spät akute Liquiditätsengpässe melden. Beunruhigende 52 Prozent der befragten Banker bejahten diesen Befund. „Das passt zu unserer Wahrnehmung aus der täglichen Arbeit, nach der neue Restrukturierungsfälle oft schon sehr tief in der Liquiditätskrise stecken und nur noch schwer zu managen sind“, bestätigt Georgiy Michailov, Managing Partner bei Struktur Management Partner. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die recht eindeutige Antwort auf die Frage, ob angesichts des harten Wettbewerbs im Firmenkundengeschäft kritische Fragen zur Unternehmensentwicklung unterbleiben. 46 Prozent der Befragten teilen diesen Befund – und bewerten damit die aktuelle Praxis in der Kreditvergabe als sehr problematisch.

Angst vor Protektionismus

Bei der Frage, welche exogenen Faktoren die Restrukturierungsexperten am problematischsten für die von ihnen betreuten Unternehmen einschätzen, rangiert an erster Stelle nach wie vor die „Digitalisierung“. Für 57 Prozent der Befragten ist dieses Thema wichtig oder sehr wichtig. Nicht überraschend rangiert der Punkt „Gefahren für den globalen Handel durch protektionistische Tendenzen“ auf Platz 2 der zurzeit größten exogenen Risikofaktoren. Nach dem Scheitern wichtiger Freihandelsabkommen wie TTIP und den von der US-Administration jüngst verhängten Strafzöllen auf Stahl und Aluminium ist eine neue Eskalationsstufe in den internationalen Handelsbeziehungen erreicht – wenn auch die EU davon vorerst verschont bleiben soll. Getroffen von derlei Maßnahmen wäre besonders die traditionell exportstarke deutsche Wirtschaft.

Diese exogenen Gefahren schätzen die Befragten derzeit als am problematischsten für die von Ihnen betreuten Unternehmen ein:

  • >57%
    Digitalisierung
  • >45%
    Wachstumsschwäche in der Euro-Zone
  • >26%
    Bankenkrise
  • >16%
    Flüchtlingskrise
  • >50%
    Protektionistische Tendenzen
  • >39%
    Bestand der Euro-Zone
  • >20%
    Abwertungsspirale internationaler Währungen
Angabe „wichtig“/„sehr wichtig“
Quelle: Restrukturierungsbarometer

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