Dieses Szenario hatte sich in den voran­gegangenen Befra­gungen bereits angedeutet: In der Restrukturierungshit­liste war der Sektor „Fahr­zeugbau und -zubehör“ zuletzt immer weiter nach vorn gerückt. In der aktuellen Befragung ist er erstmals auf Platz eins gesprungen und hat mit der Problembranche „Textil und Bekleidung“ gleichgezogen. Mit einem deutlichen Sprung landete der „Maschinen- und Anlagenbau“ auf Platz drei.

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Damit gehören jetzt zwei deutsche Kernindustrien zu den drei größten Problem­branchen.<<

Georgiy Michailov,
Managing Partner bei Struktur Management Partner

Die Hauptleidtragenden der Veränderungs­prozesse in der Automobilindustrie sind nach Ansicht der Banker weniger die Autobauer selbst. Auch den global agierenden Zulieferern wird zugetraut, den Wandel zu meistern. Doch für die Zulieferer der Zulieferer (Tier 2 und Tier 3) gilt dies nicht. In diesen beiden Clustern verorten die Restrukturierungsexperten die größten Probleme. Es entstehen oftmals finanzielle Lücken, die die kleineren und mittleren Anbieter in der Regel härter treffen als die größeren. Dass dies bei vielen Zulieferern bereits ein Problem ist, zeigen die Antworten. Auf Platz eins der Krisengründe nannten die Befragten Liquiditäts­probleme und damit ein bereits weit fortgeschrittenes Krisenstadium.

Sprunghafter Anstieg neuer Fälle – Banken ziehen Reißleine

„Die auffallend pessimistische Einschätzung der Restrukturie­rungsexperten spiegelt die Erwartung eines deutlichen Konjunktur­rückgangs wider“, sagt Georgiy Michailov.

Was die Erfolgsaussichten von Restrukturie­rungsfällen angeht, zeigt sich, dass immer weniger in den Markt zurück­gegeben werden. Im Vergleich zur vorangegangenen Befragung ging das Lager derjenigen, die mehr Engage­ments aus der „Intensivstation“ in den Marktbereich entlassen haben, auf 18 Prozent zurück. Das ist der niedrigste Stand seit dem Beginn der Erhebungen. Auch diejenigen, die einen Anstieg der Insolvenzzahlen bei den von ihnen betreuten Krisenfällen gemeldet haben, ist um 10 Prozentpunkte auf 17 Prozent gestiegen. Die Finanzierbarkeit von Restruk­turie­rungsfällen wird zudem als deutlich schwieriger bewertet als in den vergangenen Jahren. Banken sind inzwischen auch wieder eher bereit, bei bestehenden Engagements Abschreibungen in Kauf zu nehmen. 56 Prozent der befragten Restrukturierungs­experten waren dieser Meinung. „Für die Unternehmen sind das schlechte Nachrichten, da die Geldhäuser mittlerweile eher bereit sind, die Reißleine zu ziehen“, so Georgiy Michailov. Falls es zu einem schnellen Anstieg neuer Krisenfälle kommen sollte, könnten die Banken allerdings in ein Dilemma geraten: Nur 13 Prozent der befragten Banker sind nämlich der Meinung, dass es ausreichend gut qualifizierte Restrukturierungsberater zur Bewältigung anziehender Fallzahlen im Markt gibt.

Herausforderung Digitalisierung

Bei der Frage, welche exogenen Faktoren die Restrukturie­rungsexperten als am proble­matischsten für die von ihnen betreuten Unternehmen einschätzen, rangiert an erster Stelle die Digitalisierung. Für 73 Prozent der Befragten ist dieses Thema wichtig bzw. sehr wichtig. Die Gefahren für den globalen Handel durch protektionistische Tendenzen werden ebenfalls als groß angesehen (63 Prozent). Auf Platz drei wurde die Wachstumsschwäche in der Eurozone genannt.

Diese exogenen Gefahren schätzen die Befragten derzeit als am problematischsten für die von Ihnen betreuten Unternehmen ein:

  • 73%
    Digitalisierung
  • 50%
    Wachstumsschwäche in der Eurozone
  • 33%
    Bestand der Eurozone
  • 63%
    Protektionistische Tendenzen
  • 49%
    Auswirkungen
    Brexit
  • 27%
    Bankenkrise
Angabe „wichtig“/„sehr wichtig“
Quelle: Restrukturierungsbarometer

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