Die Antworten der insgesamt 83 Restrukturierungsexperten stützen den eingangs gestellten Befund: Nur 16 Prozent der befragten Teilnehmer schätzen ihre Arbeit heute schon als stark oder sehr stark digitalisiert ein. 65 Prozent hingegen beschreiben ihre Arbeit im Restrukturierungsbereich als schwach beziehungsweise sehr schwach digitalisiert. Dass dies nicht so bleiben dürfte, darüber ist sich die Mehrheit der Restrukturie­rungsexperten einig: fast zwei Drittel rechnen mit einer weiteren Digitalisierung im Workout-Bereich.
Befragt nach den Bereichen, die besonders große Digitalisierungs­potentiale bieten, gaben die meisten Banker die Einführung von Cloud-Plattformen an, die eine bessere Zusammenarbeit zwischen den involvierten Parteien gewährleisten sollen (51 Prozent).
Bei der Automatisierung von Kreditentscheidungen (35 Prozent) sowie bei Ratingsystemen und -verfahren (34 Prozent) sehen die Umfrageteilnehmer ebenfalls deutliches Digitalisierungspotential. Vereinzelt genannt wurde zudem die „Digitalisierung von Kreditdokumentationen“ und des „Kredithandels“.

Restrukturierung wird zentralisiert, die Anzahl der Fälle nimmt zu

Die Restrukturierungsabteilungen der Banken sollen künftig stärker zentralisiert und auf wenige Standorte beschränkt werden. Zwei Drittel der Befragten rechnen mit einem solchen Szenario, allerdings kann dem nur eine Minderheit positive Aspekte abgewinnen. Chancen einer stärkeren Zentralisierung werden in Effizienzgewinnen und einer Bündelung des Know-hows gesehen. 41 Prozent der Banker sehen die Zentralisierung allerdings negativ. Deren Hauptargument: Die Nähe zum Kunden gehe verloren – ein besonders heikles Thema in einem Spezialgeschäft wie der Restrukturierung von in Schieflage geratenen Unternehmen, oft aus dem Mittelstand und mit einem oftmals intensiven Betreuungsbedarf.

Was das allgemeine Restrukturierungsumfeld angeht, bestätigt die Herbstumfrage 2018: Im Workout-Bereich gibt es wieder mehr zu tun. 30 Prozent der befragten Restrukturie­rungsexperten haben angegeben, im vergangenen Halbjahr mehr neue Krisenfälle zur Bearbeitung auf den Tisch bekommen zu haben (Frühjahr 2018: 29 Prozent). Parallel dazu ging der Anteil derjenigen, die sinkende Zahlen gemeldet haben, auf 20 Prozent zurück (Frühjahr 2018: 34 Prozent). Das ist der niedrigste Wert seit Beginn dieser Erhebung im Herbst 2012. Zugleich bestätigt sich die im vergangenen Jahr eingeleitete Trendwende bei den Erwartungen neuer Restrukturierungsfälle.

Branchen im Fokus der Restrukturierer

Auf Branchen heruntergebrochen, hat der Sektor „Textil und Bekleidung“ den Bereich „Handel und E-Commerce“ wieder von der Spitze der aktuellen Restrukturierungshitliste verdrängt. Auf Platz drei notiert die Branche „Fahrzeugbau und -zubehör“. „Vor allem im Bereich Automotive registrieren wir seit etlichen Quartalen eine kontinuierliche Zunahme der Restrukturierungsfälle“, konstatiert Georgiy Michailov, Managing Partner bei Struktur Management Partner.

Diese exogenen Gefahren schätzen die Befragten derzeit als am problematischsten für die von Ihnen betreuten Unternehmen ein:

  • >59%
    Protektionismus
  • >47%
    Wachstumsschwäche in der Euro-Zone
  • >37%
    Bankenkrise
  • >55%
    Verpasste Digitalisierung
  • >37%
    Abrupte Zinswende
  • >31%
    Zerbrechen der Eurozone
Angabe „wichtig“/„sehr wichtig“
Quelle: Restrukturierungsbarometer

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